allgemeines aus dem tag

vielleicht will ich auch mal brennen…später. und nie wieder falsch zugfahren!

ich war gestern auf der beerdigung von meinem großvater. da er evangelisch ist war es auch eine feuerbestattung. schlicht aber schön. wir alle hatten die letzten tage viel mit den vorbereitungen zu tun, vor allem meine mutter und ihr bruder. da sind wir erst am grab wirklich zum trauern gekommen. es war ziemlich traurig auch wenn man sich vor augen halten muss dass mein großvater ende 80 geworden ist und ich denke ein sehr bewegtes leben hatte. sein lebensmut hatte ihn verlassen nachdem vor ein paar jahren meine großmutter gestorben ist, so lebte er dann schlussendlich auch in einem pflegeheim, da er weder laufen konnte und jetzt am ende hin nicht mehr selbst essen.

spektakuläre  geschichten hat er uns früher erzählt. von der flucht aus schlesien, dem krieg, seiner zeit als arbeiter…als er unsere großmutter kennengelernt hat. die passenden bilder hatte er auch immer parat. ein interessanter und lieber mensch. vergessen wird ihn keiner von uns.

ich bin gestern in der früh von meinem wohnort aus nach münster gefahren, bzw. enem kleinem vorort von münster. 4 stunden saß ich im zug. am abend sollte es um 18 uhr wieder zurück in meine neue heimat gehen (bin ja selbst erst vor 2 monaten umgezogen, von bayern nach hessen). die hinfahrt verlief solala, einen anschlusszug verpasst da mein zug verspätung hatte. war aber noch alles im rahmen, ich kam pünktlich. habe mich auch gefreut meine mutter mal wieder zu sehen, kommt ja wegen der distanz auch nicht mehr so häufig vor. genauso wie meine beiden schwestern.

um 18:20 ging dann der zug wieder zurück. erster umsteigeort: bielefeld, danach aufenthalt in hannover und dann weiter nach göttingen wo ich dann in den letzten zug stieg. ich gebe es zu, ich war unsicher und wusste nicht in welchen zugteil ich einsteigen musste, da sich der zug ab der hälfte der strecke trennt. doch ich habe einen sehr freundlichen typen gefragt, der lachend über den bahnsteig lief mit seinem skateboard in der hand. er machte einen freundlichen eindruck und ich habe mich auf ihn verlassen. warum auch nicht. ich saß also mit ihm im vorderen zugteil. wir hatten nette gespräche über sein skateboard, dass er gärtner auf sylt ist und hier nur seine schwester besucht und auf eine poetry slam fährt. ohh ja ihr könnt euch vorstellen das war mein stichwort: POETRY-SLAM. ja von nun an ging es nur noch um lyrik und dichtung und schreiben. waren wirklich nette unterhaltungen mit ihm.

er stieg dann in einem kleinen dorf aus: witzenhausen. dabei wurde ich derart nervös weil ich weiss das witzenhausen nach meiner stadt kommt. und ich schon ahnte dass ich im falschen zug saß. ein anderer fahrgast meinte dann ich hätte schon vor ein paar haltestellen in den anderen zug steigen müssen, da er sich teilte und der vordere zugteil nach kassel fuhr, der hintere aber dorthin wo ich wollte.

panik. was tun? kein handy dabei. mein experiment, mal ein paar jahre handylos zu leben stieß auf erste probleme (das aber nur mal am rande). ich fragte den mitreisenden der mir die auskunft gab ob ich kurz sein handy benutzen durfte, freundlicherweise durfte ich. so rief ich bei meinem freund an, der sich hier viel besser auskennt. verzweifelt schilderte ich ihm die lage. und meinte dann ich würde die nächste austeigen da ich ja immer weiter in die falsche richtung fuhr. ich würde ihn dann erneut anrufen wenn ich ausgestiegen sei. er sollte nur wissen wo in etwa ich mich befinde.

ich hatte mir einen tollen austiegsbahnhof ausgesucht: gertenbach. eine bank, eine lampe, 2 häuser, der rest felder…sonst nichts! kein telefon, kein gar nichts. vielleicht bin ich auch zu überdramatisch, jetzt im nachhinein betrachtet. als ich austieg bin ich in tränen ausgebrochen, total hilflos stand ich da und lief zu einem der häuser wo ich auch licht sah. irgendwo musste ich ja telefonieren.

ich klingelte, ein netter mann öffnete die tür und hörte sich mein gejammer an. er lies mich telefonieren.

erneut schilderte ich meinem freund die lage. diesmal noch verzweifelter. mein freund meinte ich sollte den nächsten zug in die andere richtung nehmen er würde mich in witzenhausen abholen. HA! ein anderer zug??? auf dem fahrplan am (nicht)bahnhof stand nichts von einem zug um 23:30. ich war verwirrt und skeptisch. der mann der immernoch ruhig neben mir stand und sich das ganze angehört hatte, meinte dann mein freund habe recht es würde um 23:15 noch der letzte zug zurück nach göttingen fahren.

ok. ich fühlte mich etwas dumm. ich geb es zu. aber nicht dumm genug um weiterhin in der totalen dramtik zu baden. dankend verließ ich das haus von dem netten mann. und lief zurück zum bahnhof, diesmal auf die andere seite. und wartete.

23:15 und kein zug in sicht. 23:25 noch immer nicht…wieder keimte verzweiflung in mir auf.  ja sie wurde übermächtig, diese verzweiflung wurde in meinem kopf zu einer not! 23:30 und ich hörte schritte während ich frierend auf der bank saß. der freundliche mann kam runtergelaufen von seinem haus und versicherte mir in einem beruhigendem ton dass sich der zug wohl verpätet habe aber ich sollte nicht nervös werden.

ich war etwas beruhigter. der zug traf um 23:40 ein. noch nie hatte ich mich derart über einen zug gefreut. ich stieg die nächste haltestelle aus, es war witzenhausen. ein bisschen lachen musste ich, denn der ortsname passte nich ganz zu meinem dramatischen gemüt, er relativierte aber einiges.

so stand ich nun an einem etwas größeren exemplar von bahnhof und wartete auf meinen freund. er kam und ich war so erleichtert. auch er. doch ich sah an seinem gesicht als ich in das auto einstieg, er konnte sich ein lachen nicht verkneifen. nein es war kein auslachen, eher ein darüber lachen und auch ich war froh dass er noch so gut gelaunt war. denn wer ist das schon wenn man mitten in der nacht die freundin aufgrund von einer totalen dummheit irgendwo aus der pampa abholen muss.

wir fuhren dann 30 min. bis nachhause und ich war einfach nur erleichtert. alles ist gut.

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eigene lyrik

vom rest was formen

wir werden uns nie sehen
und es blutet meine nase,
wie ein meer dazwischen noch
so komische notizen komisch
an den rand gedrückt, vor lauter nasen
die platt vielleicht was sagen.
und während die nase blutet
und während die finger starr nichts
tun die lippen noch geringer
formen, lassen dabei wenig übrig.

© IsaG

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