prosa

makkaroni und fette milch

1987 habe ich mit 5 jahren  ins sozialamt gekotzt.
eine halle mit wänden, die unendlich an höhe zunahmen, desto mehr ich versuchte die decke mit meinem blick zu erklimmen. der boden, mit rahmfarbenen marmor ausgelegt.
vielleicht ist meine erinnerung daran auch größer, weil ich durch die augen eines kindes blickte. in der mitte stand der bundesadler, aus irgendeinem metal und riesengroß. meine mutter und ich saßen auf orangenen stapel stühlen, die in ihrer ei-form eine urkomische bequemheit vorwiesen. ich kann mich noch an ihren müden gesichtsausdruck erinnern da sie zu der zeit immer nachtschichten gemacht hat und mein vater wieder studierte.
„damals,“ so hat sie mir später erzählt, während sie eine selbstgedrehte zigarette rauchte, „war ich dort um zu sehen ob wir einen mietzuschuß bekämen. es wurde aber abgelehnt.“
ich weiß noch, das ein paar menschen lachten als ich – mit einer kleinen verbeugung, vor den adler spukte. blickte ich dann nur in diese riesenmenge an nudeln, die ich im kindergarten gegessen hatte. makkaroni sind die nächsten jahre nicht mehr in meinen mund gekommen.

20 jahre später fand ich mich in einer ähnlichen situation wieder. wobei mir die ähnlichkeit erst viel später auffiel.
mein mann war student und ich war ungeplant schwanger geworden. wir saßen mit unserem ersten kind, welches zu dem zeitpunkt erst ein paar monate alt war, in der agentur für arbeit. das sozialamt war nicht mehr das sozialamt von damals. der kühle stein-flair der 60er und 70er jahre war verpufft. wir saßen auf geplolsterten stühlen. das kind schlief im kinderwagen.
das kind schlief, bis wir ins zimmer gerufen wurden. dann fing es an zu schreien. ich stillte es während ich die fragen zu unserem fall stellte. sie wich meiner brust aus. die soviel fette milch produzierte, das meiner tochter langsam aus dem mund tröpfelte und mir auf meine alte hose, wo es fette flecken hinterließ.
im nachhinein, vermengen sich ein haufen gemeinsamkeiten und gegensätze. und beides spielt und tollt und zieht fast unaufhaltsam, in einer zwanghaften konstante an mir. wir stagnieren in dem moment in dem wir stehen bleiben und uns danach strecken – zuviel zeit mit erlebtem verbringen oder zustände anstreben die uns nicht retten werden. es gibt sachen die einfach nur kollidieren. diese nennen manche zufälle andere wiederum möchten sich an der vorherbestimmung nähren, als ob sie davon nicht schon genug mit der muttermilch aufgesogen hätten und wir alle krepieren, irgendwann.

eins ist anders. meine mutter war zuversichtlich, als sie mich damals an der hand nahm und durch die tür in die frischluft führte. raus aus dem amt, der gekotzten makkaroni und dem steinernem wiederhall – ein nein in großem raum.

mir jedoch, fehlte meine hoffnung und der so genannte pessimismus, der mir schon lange innewohnte – wuchs, während mein kind schrie, meter für meter, den ganzen weg nachhause.

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eigene lyrik, englische lyrik

you see things i never see

a still mouthed mathematician
looks twice at the clock over the river
but still does not know the hour,
his surroundings are no numbers of time
and like a metronome his eyes tick
from side to side
while crossing a street
he believes he has never touched before;
always seeing settings undressed.

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eigene lyrik

eine seifenblase fliegt zwischen opas beinen hindurch

zielgerichtet an den himbeer-strauch, entlang. die feinen
dornen und aus. und sie schaut und schaut schaut schaut
als wenn sich seifige flecken in der luft einen vergessenen moment
lang halten können. ein blick, der wandern, auf sprühnebelfeinen
landschaften geht. und vergeht, weile ist schon idee ist
schon erinnerung geworden, als es wieder ans prusten geht.

(… irgendwann entlernen
alle
das fliegen mit den augen.
so
wälzen wir ungelenk im
gras.
sehen aus wie schweine. aber
tun so
als ob wir so tun müssen.)

opa lässt nicht von den hornspähnen ab. als unkraut-
vernichtungs-mittel? die einsame rebe, dicht, him- an beere
dann zuletzt der wein. die traube, die farbe, die weiß
er nicht mehr. eine einzige wird es sein, die sich streckt
und ihre ranken sonn’befleckten platz suchen, im eckschatten
zueinander. an einander, ihre blätter ausfalten bis zum geht
nicht mehr. sie pustet opa seifenpruste auf den fast haarfreien kopf.

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eigene lyrik

und wenn wir all dies anhalten könnten

würden wir es nie nie, nie nie, tun
denn dafür ist es schon zu grün um
den schwerfälligen ast, der sich vor
lauter blüten lallend zu boden neigt und
gefährten im gras sucht. bei.nah wiese streift,
in der erdrückenden vogel-zwitscherei.

sollten wir je auf: stra-awwwwberry fields
wandern, ohne eine beere zu schmecken?
wegen deren duft wir leicht und immer. im-
mer immer wieder unsere nasen streifen.
könnten fast vergessen, bis jede einzelne
erdbeere sich im rythmus unserer schritte wiegt.

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